Ein Stück Heimat für die Ohren und das Herz: „Das Rad des Henkers“

Heimatverein Messingen und die Katholische öffentliche Bücherei Messingen: Auf dem Foto seht Ihr Margret Koers vor dem historischen Backhaus der Familie Krane auf der Kötteringe.
„Ein Stück Heimat für die Ohren und das Herz“, so heißt eine Serie von Lesungen mit der bekannten Autorin Margret Koers. Wir starten mit dem Buch „Das Rad des Henkers“. Dabei sind wir zu Gast in dem wunderschönen historischen Backhaus der Familie Krane. Wegen der anhaltenden Pandemielage werden wir die erste Lesung als digitalen Stream durchführen am Freitag, den 30.04.2021 um 19 Uhr 30. Unser Projekt wird gefördert mit Mitteln des Landes Niedersachsen auf Beschluss des Niedersächsischen Landtages durch das Förderprogramm „Niedersachsen dreht auf“, unterstützt durch die Emsländische Landschaft.
Merkt Euch schon den Link (30.04.2021 um 19 Uhr 30 auf dem YouTube-Kanal des Heimatvereins Messingen): https://youtu.be/93PZ71E_6_w

Der Friedensflügel

 Im Mai 1945 endete überall in Deutschland die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Eigentlich hatten wir vom HVM dazu für das Jahr 2020 die Veranstaltung „Wir danken für 75 Jahre Frieden“ geplant. Aber wie so vieles wurde sie abgesagt. Die Veranstaltung haben wir jetzt im Mai digital durchgeführt.  Nun heißt sie wie das bekannte Zitat von Willi Brandt: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts“. Dieses Zitat macht drastisch klar, dass der Friede die Grundlage unseres Zusammenlebens, der Entfaltung der Demokratie, aber auch unseres Wohlstandes ist. Die digitale Veranstaltung ist auf unserem YouTube-Kanal zu sehen.

Aus diesem Anlass haben wir uns entschieden, ein neues Denkmal zu installieren, den „Friedensflügel“.

Brauchen wir denn noch ein Denkmal? Wir denken schon, denn wir haben es uns in unserer langen Friedenszeit schon schön gemütlich gemacht. Aber die Zeit der Zeitzeugen geht langsam zu Ende und jetzt sind wir an der Reihe, die Erinnerungskultur zu tragen.

Unser neues Denkmal „Friedensflügel“ steht in Messingen/ Brümsel am Surdelweg, also an der Außenperipherie de ehemaligen Naziflugplatzes, genauer gesagt des „Einsatzhafens Plantlünne der deutschen Luftwaffe“ der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Der Flugplatz war etwa 180 ha groß. Von hier starteten ab dem 10. Mai 1942 während des „Westfeldzuges“ täglich drei Mal die Bomber nach Holland, Frankreich und Belgien. In dem Wald hinter dem Denkmal befand sich die zentrale Nachlassstelle, die den Nachlass der getöteten Piloten  besah, und das Lager der russischen Kriegsgefangenen, die aus dem KZ Neuengamme stammten und die  die  Blindgänger vom Flugplatz  wegräumen mussten.

Wir haben uns für einen Flügel entschieden. Es kann der Flügel einer Friedenstaube oder eines Engels sein. In 40 Sprachen steht hier das Wort „Frieden“, denn wirklichen Frieden gibt es nur gemeinsam. Wir haben dabei versucht, alle Sprachen, die in Messingen gesprochen werden, zu berücksichtigen. 

In diesem Jahr denken wir im Mai nicht nur an das Ende des Zweite Weltkrieges, sondern auch an Sophie Scholl, die am 9. Mai ihren 100 Jahre alt geworden wäre. Sophie Scholl, ihr Bruder Hans und ihre Freunde sind bekannt als die „Weiße Rose“. Am 22.Februar 1943 wurden sie als Widerstandskämpfer hingerichtet. Sie sind uns ein Vorbild für ihren Mut, aber auch für ihre Wachsamkeit gegenüber verbrecherischen Ideologien und fanatischen Ideen jeglicher Art.

Heimatverein Messingen im Mai 2021

 

Infos zum Flugplatz Plantlünne

Das Areal des Flugplatzes umfasste 160 Hektar. Das Flugfeld hatte eine Grasnarbe und keine betonierten Bahnen. Start-und Landerichtung wurden der
Windrichtung angepasst.
Der Flugplatz Plantlünne war bis März 1945 aktiv und einsatzbereit. Auf dem
Gelände befand sich eine Vielzahl von bodenständigen Dienststellen, die den
Betrieb des Flugplatzes unterstützten und aufrechterhielten.
Den Schutz des Platzes stellten drei leichte Heimatflak Batterien sicher, deren
Flugzeugabwehrkanonen hauptsächlich von 13- bis 17-Jährigen Flakhelfern
bedient wurden.
Auf dem Flugplatz waren nicht nur (deutsche) Soldaten beschäftigt, sondern auch Kriegsgefangene und Zivilpersonen, so dass insgesamt mehrere hundert
Menschen in dieser Einrichtung tätig waren.
Es gab zwei Lager auf dem Gelände: das Nordlager, hauptsächlich für die
Verwaltung zuständig und das Südlager, das für Unterkünfte und kleinere
Dienststellen vorgesehen war.
Die fliegenden Einheiten waren in der Regel nur für eine begrenzte Zeit auf dem
Flugplatz Plantlünne stationiert.
Die Größe des Flugfeldes ermöglichte es allen mit Kolbenmotoren betriebenen
Flugzeugen der Luftwaffe in Plantlünne zu starten und zu landen.
Im Westfeldzug, der am 10. Mai 1940 begonnen wurde, starteten die Bomber,
dreimal täglich und brachten ihre tödliche Last nach Holland, Belgien und
Frankreich.
Es gab vier größere Angriffe der amerikanischen Luftwaffe auf den Flugplatz
Plantlünne. Der größte erfolgte am 24. März 1945 mit 111 B-17 „Flying Fortress“ Bombern,
die mit 328 t Bomben das Flugfeld nahezu unbrauchbar machten und viele
Anlagen zerstörten und beschädigten.
Am 24. März 1945 verließen die letzten deutschen Einsatzflugzeuge den
Flughafen Plantlünne und der Flugplatz wurde von der Luftwaffe aufgegeben.
Für kurze Zeit im April 1945 fielen vier Staffeln britischer Jagdbomber in den
zerstörten und von den Engländern notdürftig reparierten Platz ein.
Bei einem Einsatzflug entdeckten aus Plantlünne kommende britische Piloten in der Lübecker Bucht die mit KZ-Gefangenen des geräumten KZ Neuengamme
belegten Schiffe „Cap Arcona“, „Thielbeck“ und „Deutschland“ und versenkten sich mit anderen zu Hilfe gerufenen Fliegern. Ungefähr 7000 Menschen verloren dabei
ihr Leben.
Leid und Elend der Kriegszeit bestimmten damals das Leben und auch den Tod
vieler Menschen, die Opfer dieser Zeit waren. Der Tod war überall.

Nejjoarskoken

Nejjoarskooken

Lessn röp mie mien Süster ut Messingen in ‘t Emsland an un fröch: „Sech äs, Marlis, wat fallt die dann to Nejjoarskooken as immateriellet Kulturerbe in?“ Nejjoarskooken as Kulturerbe – heel lecker. Nejjoarskooken immateriell – na, ick weet nich.

Bie us giff dat Nejjoarskooken immer materiell to etten. Un dat al füste vöör ’n Advent. Wie möcht de efach to gerne. Aber nich mehr noh den 1. Advent. Dann mak wie Pause dormit. De gifft  dann ers weer  an ’n Dach noh Wiehachten. Dann heff nämlich use Paul Geburtsdach – un wat kann et noh Wiehnachten noch Leckeret to etten geben? Richtich – Nejjoarskooken mit Schlachsahne. Wie doot dat schon siet achtän Joar so un leevt dor gut mit.

Ick heb, as ik ut ‘t Emsland wech trocken bin, von min Süster en egenet

Nejjoarskookeniesen geschenkt kreegen. Von de blanke Sorte mit den schwatten

Knoop, tweedusender Riege, de doot et am besten. Vör ’n paar Joar heb ik von miene Schwiegermutter Mia ut Münster dat Nejjoarskookeniesen ervt. Ehrt was van 1952, se har dat to ehre Hochtiet geschenkt kreegen. Van de blanke Sorte, mit den schwatten Knoop, dat döt noch immer. To Huse in ’t Emsland bruckt min Süster dat van use Mama, de dat van Oma overnommen heff. Dat is van de blanke Sorte. Schon as wie noch Kinner wörn, hew wie, wenn ‘t an ‘t Nejjoarskookenbacken gönk, bi de Nohbars en Iesen untleehnt. Dat was ok van de blanke … un wett ok noch immer bruckt.

Dat Rezept, noh dat bie us Nejjoarskooken backt wert, heb ick van use Mama. Dat stäht in ‘t Kockbook „Die Führung der bürgerlichen und feinen Küche“ van Mathilde Braun. Dat is dat Kockbook van de Hildegardisschoole in Münster, un door noh hebt de Wichter, de bie de Nonnen Köcke lernt hebt, ok kocken lernt. Dat Book griff, so schient mie, over dat Münsterland un dat Emsland rut, den Ton an, wu in ’n Nordwesten kockt wett. Aber in Münster is man ja vornehm, dor hett dat nich efak „Nejjoarskooken“ oder dat up Hochdütsch. Nee, dor heff at nen heel annern Namen. Eiserkuchen heet de dor. As Kind konn ick dat Rezept in ‘t Book noit finnen. Dörvör stoht dor dann aber twee Rezepte in. Ick nemm immer dat mit Kandiszucker. De bint krosser un mött in ne dichte Büsse, dormit se nich week wert. Angeblich holt de sück ok länger, aber wenn ick in miene Nejjoarskookenbüsse kieke, is de doch immer meest lööch.

Un dat Rezept gäht so:

250 g Kansizucker in

1/4 l kockend Water uplösen.

Wenn dat koold is, dat in

125 g sahnig geröhrte Botter gäten,

1 Msp. Zimt,

Zitronenschelle, 1 Eetl. Rosenwater mit inröhren.

Dann noch

1 Ei un 1 Eigelb un

250 g fien gesiebtet Mell unnerröhren.

Wenn den Deech to dick is, noch en betken Water drangääten. Dat reekt för etwa twintich Stück.

Allehr wött dat Nejjoarskookeniesen mit ne Speckschworte inreven, dormit den Deech nich kleben soll. Ick loot dat gewährn, gäht nämlich ok ohne, de Botter is fett nooch. As Kind droff man de Nejjoarskooken ers bloß stapeln, later dann ok uprullen. Bi us in son ’ne moje Tüte, dat dor gut Sahne inpasst. Aber drock, de Kooken wert schnell faste. As jung Wicht droff man dann denn Deech in ’t Iesen doon un den ferrigen rutnemmen. Use Anne backt füsste alleene Nejjoarskooken. „Pass up, dat du die nich de Finger verbrennst.“ Nee, dat lööt man sück aber nich anmerken, dat göng ja tegen de Ehre! Use Papa hef mol irgendwo van eenen Wiehnachtstmarkt ne kleene Holtgoobel un son ’nen Holtkegel mitbracht. Dormit kann man den Kooken vull better ut dat Nejjoarskookeniesen kriegen un uprullen.

Up ’e Köttringe in Messingen goht de Kinner Nejjoahr los un dot „dat neje Joar afwinnen“. Allehr heb wie Kinner dat unner us regelt. De Grooten nömmen de Lüttken an ‘e Hand, drögen ok mol de Taschken, wüssen den Wech un wat man doon moss. Man gäht von Hus to Hus, schlick sück an un rop „Glücks Nejjoar!“ (Hochdütsch:

Glückseliges neues Jahr) Dann bint de Löh natürlich heel overrascht: „Nee, Kinner, dat ih us dat nejje Joahr afwunnen hebt! Dor har ick ja gar nich up reckt! Na, dor kriech ih aber ok wat för.“ Un dann hebt de Kinner, de alle gut vörut dachte hebt, nen Bühl of ne Taschke bie. Dor griff et dann wat in. Vandage is dat oft Schoklade. Allehr wassen dat ’n Appel (o.k.) off ne Appelsine (better) off ne Beere (na ja), dann Nötte (bint alle lecker) un dann Bömskes. Lecker wöörn Toffee, Minze mit Schokladenfüllung off

Karamellboms. Normale mit Geschmack göngen ok un wenn ‘t schlimm kömp, gaff et Eukalyptusboms. Aber gar nich göngen Boms mit Tomatensaftfüllung. Un dann immer een off twee Nejjoarskooken. Alleen wu de Nohberfrauen de in den Bühl lechten, dat seech doch alles. De bückten sück runner un lechten den Kooken sachte booben up, dat ok joh nicks kapott gönk. Kiene löt dat fine Gebäck man bloß rinplumsen. Un trotzdem, de Kooken heel noh Huse henn to kriegen, was een Kunststück. Mehrere Kilometer, negen Hüser – un immer dat nejje Joar afwunnen, also gaff dat ok immer wat för de Taschke. Ja, dann lich doch ok wat unnen. Ok mol ’n Nejjoarskooken. Un tegen negen rullende Appeln hebbt de sowieso kiene Chance. Dann läver forts upetten ….

Poschken 2019

Marlis Kottebernds