Tagesfahrt ins Münsterland im Juli 2017

Am 20. Juli 2017 startet der Heimatverein Messingen seine diesjährige Tagesfahrt

Unsere diesjährige Tagesfahrt beinhaltet die Ziele Flughafen FMO in Greven, die Wildpferdebahn in Dülmen und das Glockenmuseum in Gescher. Um 9 Uhr geht die Busfahrt vom Parkplatz Thünemann aus los.

Unserer erstes Ziel ist der internationale Flughafen FMO in Greven. Dort wird es eine Führung über das 200 Hektar große Gelände geben. Sicher können wir hier Landungen und Starts zu anderen europäischen Flughäfen sehen.

Für 12 Uhr ist ein Mittagessen geplant. Um 14 Uhr 15 werden wir auf der Wildpferdebahn in Dülmen erwartet, die die einzige in Europa ist. 400 Wildpferde leben hier auf einer eingezäunten naturbelassenen Heide, Moor und Waldlandschaft im Merfelder Bruch. Danach gibt es eine Kaffeepause.

Unser letztes Ziel ist das Glockenmuseum in Gescher. Auf einer spannenden und unterhaltsamen Zeitreise durch die Welt der Glocken werden wir viel Neues erfahren. Um 18 Uhr 45 treten wir von Gescher aus die Heimfahrt an.

Eine Anmeldung ist erforderlich

Alfons Klaessen nimmt die Anmeldungen an:

Telefon: 05905/ 1389

Die Kosten betragen für Mitglieder 25 Euro.

Wir freuen uns auf einen schönen, gemeinsamen Ausflug!

Gartenträume – Veranstaltung in Messingen

         Gartenträume

– unter dieser Überschrift veranstaltete der Heimatverein Messingen e.V. am 10. 06.2017 zum ersten Mal einen Tag des offenen Gartens, und zwar in dem großzügig angelegten, parkähnlichen Garten von Familie Rolfes in Messingen. Bei der Eröffnung um 14 Uhr 30  bedankte sich die erste Vorsitzende Silvia Langenhorst ganz herzlich bei Familie Rolfes für die Bereitschaft, das Gartentor für Besucher zu öffnen.

Gärten sind wie ein grünes Band zur Natur, vielfältig in ihren Funktionen und sie tragen stets die persönliche Handschrift der Gärtnernden. Sie spielen durch alle Epochen, in allen gesellschaftlichen Schichten, in der Literatur, in den Religionen und Kulturen stets eine Rolle: z.B. der Garten Eden, die hängenden Gärten von Babylon, die Herrenhäuser Gärten, der einzigartige englische Garten des Fürsten Pückler in Bad Muskau.

Auch der Messinger  Georg Völlering hat  in einem seiner Bücher über einen Garten geschrieben, den Bauerngarten seines Elternhauses: ein  geborgenen Raum seiner Kindheit, wundervoll in der Erinnerung, liebevoll und exakt beschrieben. Er nennt ihn  kleinen Zaubergarten und Paradiesgarten; er beschreibt ihn als einen Ort für Gemüse, Obst und Blumen, für Mensch und Tiere. Hier gab es Arbeit, aber auch Erholung-sozusagen ein ganzheitliches Modell. Das ist auch heute wieder voll im Trend! Wir sehen das bei den verschiedenen Naturgartenwettbewerben, dem Rückgang der Überpflegungen, Berücksichtigung ökologischer Aspekte und sogar bei der Auswahl der Gartendeko.

Rolfes haben ebenfalls bei der Planung ihrer Anlage viele Dinge berücksichtigt, z.B. gibt Platz für zum Ausspannen, einen Gemüsegarten mit einer Kräuterspirale, einen Naturbereich mit einem Insektenhotel, eine Weihnachtsbaumschonung, ein Waldgrundstück und viel Platz für Haus-und Wildtiere. All das konnte man sich an diesem Nachmittag bei ausgezeichnetem Frühsommerwetter ansehen. Natürlich stellte der Heimatverein auch ein umfangreiches Rahmenprogramm auf: es gab Kaffee und Kuchen, Eis und Getränke, einen brasilianischen Grill mit einem Messinger Schwein, Bieneninfos, Fledermausinfos, eine Floristikausstellung, Gewebtes , die digitale Fotoausstellung „Nahaufnahme Bäuerin in Messingen“, gemeinsam mit dem Landwirtschaftlichen Ortsverein. Die Kinder konnten in einer Wasserbahn plantschen, Nägel einschlagen und vieles mehr. Auch bot es sich an, das neuangelegte  Messinger Herbarium vorzustellen: es ist eine Gemeinschaftsarbeit  mit der Messinger Grundschule und als eine Fortsetzungsgeschichte zu verstehen. Der Heimatverein sammelt noch weitere heimische Exponate. So entsteht hoffentlich im Laufe der Zeit eine umfassende Dokumentation über Messingens Flora. Nochmal wurde  die Fotoausstellung „ 25 Jahre Heimatverein“ gezeigt.  Mit 25 Jahren gehört der Heimatverein in Messingen zu den jüngeren Vereinen.  Die Aufgaben des Heimatvereines sind unglaublich vielfältig, facettenreich und alles andere als verstaubt und antiquiert.  Natürlich gehören auch Traditions- und Brauchtumspflege dazu. Aber es werden auch  eigenen Ideen umgesetzt und neue Aspekte vorgebracht. Viele  Veranstaltungen sind öffentlich, kostenlos und familienfreundlich.

Zu einer Veranstaltung an einem solch schönen Ort gehört selbstverständlich auch ein musikalisches Rahmenprogramm: Zuerst lud der Chor Cantiamo zum Mitsingen ein. Später waren noch die Alphornbläser des Hegerings II Lünne zu hören.

Gegen 20  Uhr endete die Veranstaltung, die bei herrlichem Wetter überaus zahlreiche Besucher angelockt hatte.

( bei den Bieneninfos, Foto: Marien)

 

 

Messingen blickt auf 1939 bis 1945

 

(Eric Tavernier, Stanislawa Zubko und Marie-Jose Schade,Foto: Johanna Lügermann)

 Veranstaltung am 02.11.2013

Die Zeit der Kriegsgefangenschaft bedeutete für Betroffene Leid und Heimweh. Die Informationsveranstaltung „Messingen blickt auf 1939 bis 1945“ des Heimatvereins legte den Schwerpunkt auf die positiven Beispiele des Zusammenlebens mit Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen.

An der Stelle, an der früher eine Unterkunft für Kriegsgefangene stand, erinnert in Messingen heute ein Gedenkstein an das Leben der Menschen aus ganz unterschiedlichen Nationen. 1939 waren es polnische und ab 1941 französische Kriegsgefangene, die jeden Morgen von den Bauern aus der Scheune abgeholt wurden. Die Zwangsarbeiter aus Polen, Russland und der Ukraine waren dagegen auf den Höfen untergebracht.

Am Gedenkstein versammelten sich am Samstag viele Bürger, um an die Gefangenen zu erinnern. Mitglieder der Jugendfeuerwehr verlasen die Namen, die erhalten blieben. „Wir wollen über diesen Teil unserer Geschichte informieren und die Erinnerung wach halten“, erklärte die Initiatorin der Veranstaltung, Ursula Kottebernds. „Es ist uns wichtig das Unrecht anzuerkennen, aber auch einen Blick auf die menschliche Seite zu geben.“

Der Vortrag von Marie-Dominique Guyard, Vorsitzende der Gedenkstätte Augustaschacht e.V. , gab einen Eindruck vom Ausmaß der Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft. Sie spricht von insgesamt 13,5 Millionen verschleppten Menschen, die in Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten. Die Zahl sei allerdings eine Momentaufnahme des Jahres 1943. Es seien Menschen aus 17 Nationen nach Deutschland geholt worden, drei Viertel von ihnen unter 20 Jahren.

Das Lager Augustaschacht sei ein sogenanntes „Arbeitserziehungslager“ gewesen, das zur Einschüchterung diente. Zwangsarbeiter aus der Region zwischen Osnabrück und Papenburg, denen Straftaten vorgeworfen wurden, kamen acht Wochen lang in dieses Lager. „Die
Arbeiter, die in Augustaschacht überlebten, waren so krank und schwach, dass andere Arbeiter bei ihrem Anblick Angst bekamen“, sagte Guyard.

Die Lebensbedingungen der Gefangenen waren sehr unterschiedlich. Die Zeitzeugin Stanislawa Zubko ist heute 93 Jahre und lebt in Lingen. Sie erinnert sich noch genau an das Jahr 1942, als sie im Alter von 22 Jahren nach Deutschland kam, um in Melle Zwangsarbeit zu leisten. „Ich wurde damals von meinem Bruder getrennt und habe ihn erst 20 Jahre später finden können“, erzählte sie. „Aber ich hatte noch Glück. Ich durfte in einer angesehenen Familie arbeiten und wurde dort sehr gut behandelt.“

Die Zeit habe sie stark gemacht, vor allem aber sei es der Glaube an Gott gewesen, der ihr immer wieder Kraft gab. Sie dankte für das Erinnern und vor allem für die Weitergabe von Informationen über die Zeit der Zwangsarbeit. „Vor allem die jungen Menschen müssen wissen, was passiert ist. Sie können sich so eine Zeit nicht mehr vorstellen.“

Der Heimatverein zeigte Beispiele von Freundschaften zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen. Auch die Geschichte von Robert Tavernier wurde berichtet. Er musste Zwangsarbeit leisten und lernte dabei Paula Schuir aus Brümsel kennen. Sie heirateten nach dem Krieg in Calais. Zwei der vier Kinder des Paares kamen am Samstag nach Messingen. Marie-José Schade, ehemals Tavernier, wohnt heute in Braunschweig, Eric Tavernier reiste aus dem französischen Calais an. Auch Henri Coeffard, der von 1941 bis 1945 Zwangsarbeit in Messingen leistete, verband nach dem Krieg eine lange Freundschaft mit der Familie, auf deren Hof er gearbeitet hatte. Eine Heirat mit Anna Kottebernds wurde allerdings durch seine Familie verhindert.

Sklavenmarkt in Lingen

Es wurden auch Berichte des Zeitzeugen Franz Kottebernds vorgetragen, welche die unmenschliche Dimension der Zwangsarbeit zeigten. Eindrückliche Schilderungen des Besuchs eines „Sklavenmarkts in Lingen“ im Frühjahr 1942 machten die Gäste betroffen. Die musikalische Begleitung des Internationalen Freundschaftschors unter der Leitung von Nelly Heilmann gestaltete mit Liedern in ukrainischer, russischer und polnischer Sprache einen passenden Rahmen für die Veranstaltung. Bürgermeister August Roosmann hob hervor, dass es nicht nur darum gehe, einen Stein zur Erinnerung aufzustellen, sondern Stück für Stück die Geschichte aufzuarbeiten.

(ein Artikel von Johanna Lügermann, erschienen am 03. 11. 2013 in der LT)

Ursula Kottebernds zeigt den Ort, an dem die Unterkunft der Kriegsgefangenen stand. Heute erinnert ein Gedenkstein an die Zeit von 1939 bis 1945. Mitglieder der Jugendfeuerwehr verlasen Namen der Kriegsgefangenen.(Foto: Johanna Lügermann)

 

Bundesweit erste Professorin kam aus Messingen

Themennachmittag am 06.09. 2014

Um über Mathilde Vaerting, die 1923 als erste Frau in Deutschland eine Professur im Bereich der Geisteswissenschaften erhalten hat, mehr zu erfahren, waren zahlreiche Besucher nach Messingen gekommen. Der Heimatverein hatte zu einem Themennachmittag in den Garten der Familie Rohe, die das Vaerting’sche Geburtshaus heute bewohnt, eingeladen.

Über den privaten Lebensweg und ihre vielfältigen wissenschaftlichen Arbeiten informierte Hans-Gerd Jöhring als Mitautor des Buches „Mathilde Vaerting und ihre Familie“. Georg Barkmann, Vorsitzender des Heimatvereins , begrüßte die zahlreichen Gäste aus der Politik, Vereinen sowie Verwandte der Familie Vaerting aus Holland und dem Emsland.

Und Messingens Bürgermeister August Roosmann freute sich über die Anwesenheit der Ehrenlandräte Josef Meiners und Hermann Bröring als Vorsitzender des emsländischen Heimatbundes – dieser dankte Georg Barkmann und Ursula Kottebernds, „die zusätzlichen Schwung in den Heimatverein und in die Koordination dieser Veranstaltung“ gebracht hätten.

Das Kompliment von Hermann Bröring an den Heimatverein Messingen war verbunden mit der Frage, worin die Zukunft der Heimatvereine liege: „Dieses vorzeigbare Projekt braucht Nachahmung. Man muss sich intensiver mit bedeutenden Personen unserer Heimatgeschichte auseinandersetzen. Im Emsland-Jahrbuch werden wir Mathilde Vaerting einen Beitrag widmen.

Ursula Kottebernds freute sich sehr darüber „dass meine Eltern Franz und Maria Kottebernds sowie mein Schwager Hans-Gerd Jöhring dieses Buch geschrieben haben“. Als Mitautor dankte Jöhring zudem der Familie Rohe, „dass wir mit Zollstock und Fotoapparat das ganze Haus vermessen und dokumentieren duften“.

Das Geburtshaus von Mathilde Vaerting , 1832 errichtet, steht in Messingen an der Frerener Straße 11. Den „ungewöhnlichen Lebensweg“ skizzierte Jöhring. Geboren am 10. Januar 1884 in Messingen, war sie das fünfte von zehn Kindern der Eheleute Johann Heinrich Vaerting und Anna Mathilde, geborene Siering, aus Hopsten. „Sie besuchte die Volksschule, erhielt im elterlichen Haus Privatunterricht und war drei Jahre auf einer höheren Mädchenschule in Köln.“

1903 legte sie in Münster ihr Examen ab und erhielt in Düsseldorf eine Anstellung als Lehrerin. Nach der allgemeinen Reifeprüfung 1907 in Wetzlar studierte sie in Bonn, München, Marburg und Gießen bis 1911 Mathematik, Physik, Chemie und Philosophie und promovierte zum Doktor der Philosophie. „Eine beachtliche Leistung, denn in Preußen erhielten Frauen erst 1908 Zugang zum akademischen Studium“, erklärte Jöhring.

Ab 1912 unterrichtete sie in Berlin als Oberlehrerin an einem Oberlyzeum. Zudem widmete sie sich weiter der Wissenschaft und veröffentlichte ihre Forschungsergebnisse. „Jeden Tag klapperte von früh bis spät die Schreibmaschine.“ Manchmal schrieb sie unter einem männlichen Pseudonym, denn „ihre Themen waren aus der Zeit gefallen“. 1923 beruft sie das Thüringische Volksbildungsministerium auf einen Lehrstuhl für Erziehungswissenschaften an der Universität Jena.

Die 39-jährige, nicht habilitierte Wissenschaftlerin, zählt mit Margarete von Wrangel zu den ersten beiden Frauen, die in Deutschland einen Lehrstuhl erhielten. Frauen war es ausdrücklich verboten, sich zu habilitieren. „Die Zeit in Jena stand aber unter einem schlechten Stern. Die Uni wollte sie nicht, sie ist nicht umzugsbereit, beschränkt ihre Vorlesungen auf das Nötigste oder lässt sie ausfallen.“

Innerlich kämpft sie gegen viele Widerstände, setzt sich mit den Machtverhältnissen zwischen Mann und Frau auseinander. Sie zählt laut der Jenaer Universitätsgeschichte zu den „als Sozialisten bekannten Professoren“, derer man sich mithilfe des gleich zu Beginn der NS-Zeit erlassenen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ entledigte und sie 1933 entlässt.

Nach dem Krieg schafft sie sich mit dem Wiedergutmachungsgeld im Schwarzwald ein neues Zuhause. In Schöneberg lebt sie mit einer Schwester und ihrem Lebensgefährten Edwin Elmerich. „Und das Klappern der Schreibmaschine geht weiter.“ Von 1954 bis 1971 gibt sie die „Zeitschrift für Staatssoziologie“ heraus. Die 72-Jährige verfasst gesellschaftspolitische Aufsätze, gibt Radiointerviews, arbeitet unermüdlich. 1977 stirbt sie und wird in einem Urnengrab auf dem Neuen Friedhof in Lingen beigesetzt. „Bis heute namenlos.“

Ursula Feldmann von der Emsbürener Geschichtswerkstatt schilderte anschließend das Leben und Wirken der Lehrerinnen Ida Schartmann aus Beesten und Anni Bolte aus Listrup: „Ihre tiefreligiösen, katholischen Wurzeln gaben ihnen Kraft, Mut und Rückgrat, sich dem Druck während der NS-Zeit zu widersetzen.“

Mechthild Kümling, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Freren, skizzierte abschließend die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Veränderungen für Frauen.

(Johannes Franke, erschienen in der LT am 09.09. 2014)

(Ursula Feldmann, Hans-Gerd Jöhring, Maria Kottebernds und Mechthild Kümling vor dem Vaerting`schen Geburtshaus, Foto: Johannes Franke)

 

Fahrradtour von Messingen nach Thuine

Fahrradtour

Wir radeln nach Thuine

öffentlich, kostenlos und familienfreundlich

Auch in diesem Jahr wollen wir wieder mit dem Fahrrad unterwegs sein, um  unsere Heimat in und um Messingen zu erkunden. Diesmal wollen wir nach Thuine radeln. Dort wird uns Bernhard Lau vom Heimatverein Thuine erwarten. Wir dürfen gespannt sein . Sicherlich gibt es einiges für uns zu entdecken, obwohl Thuine eigentlich ja „nur um die Ecke“ ist. Die „Straße der Lieder“ ist auch dabei. Wer sie nicht kennt, sollte unbedingt mitfahren. Damit wir auch den Rückweg gut schaffen, hat der Heimatverein uns auch noch zu Kaffee und Kuchen ins Pastor-Dall-Haus eingeladen.

Diese Tour können auch Kinder mitradeln: also runter vom Sofa und rauf aufs Rad!

Wir starten am 6. Mai 2017 um 15 Uhr. Treffpunkt ist der  Parkplatz bei der Kirche.

Damit für die Thuiner die Planung leichter ist, meldet Euch bitte bis zum 3. Mai 2017 bei einem Vorstandsmitglied an.

Wir freuen uns auf eine schönen Nachmittag mit den Thuinern!

(Das  Foto oben hat Thomas Marien auf der Fahrradtour „Messinger Highlights“ 2016 aufgenommen)

(Das Foto unten ist im Mai 2015 auf der Fahrradtour „Messingens wilder Norden“ bei den Zwölf-Apostel-Buchen entstanden und es stand sogar im Kalender 2016 „Messinger zeigen ihr Gesicht“)

 

 

 

 

 

 

 

Noch einmal die Sonne sehen….

Zeitzeugin Erna de Vries(93) berichtete über Holocausterfahrungen in Auschwitz-Birkenau

Heimatverein Messingen und Jugendfeuerwehr: Initiative gegen das Vergessen

22. November 2016:

In der völlig überfüllten Fahrzeughalle des Messinger Feuerwehrhauses standen Zuhörer auf den Freiflächen, der Feuerwehrnachwuchs saß auf den Treppenstufen. Rund 200 Interessierte aller Altersgruppen zählten die Organisatoren des Heimatvereins und der Jugendfeuerwehr Messingen. Sie alle wollten Erna de Vries erleben. Erna de Vries, wohnhaft im emsländischen Lathen, wurde 1923 in Kaiserslautern als Tochter eines evangelischen Christen und einer jüdischen Mutter geboren und im jüdischen Glauben erzogen. Als ihre Mutter 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, ging Erna de Vries freiwillig mit. „Sie wollen wirklich mit nach Auschwitz?“, habe der Gestapo-Mann sie verständnislos angeschaut. „Ja“, ist sich die damals 19-Jährige sicher. Sie will ihre verwitwete Mutter nicht allein lassen. „Meine Mutter war darüber sehr unglücklich, sie hat mir Vorwürfe gemacht“. Der Todesblock 25 im Frauenlager von Auschwitz-Birkenau galt als Ort ohne Wiederkehr. Häftlinge, die hier untergebracht waren, wurden kurz darauf in den Gaskammern ermordet. Zehntausende fanden so den Tod. Erna de Vries ist eine von wenigen Frauen, die überlebten. Mit ihren mittlerweile 93 Jahren erzählt sie so oft wie sie kann von ihrem Leben vor dem Hintergrund ihrer Holocausterfahrungen in Auschwitz-Birkenau.

„Auschwitz, das war immer Brüllen und Schlagen.“ Auf ihrem Weg zur Arbeit müssen Mutter und Tochter mit anderen Frauen täglich an zwei Krematorien in Auschwitz-Birkenau vorbeigehen. „Wir sahen dort Berge von Leichen.“ Die junge Erna zieht sich eitrige Entzündungen an den Beinen zu, kommt in den Todesblock für Frauen.

„Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“. Als Erna de Vries diesen Wunsch äußert, scheint bereits alle Hoffnung verloren. Die 19-jährige Halbjüdin sitzt auf dem Boden des Todesblocks in Auschwitz-Birkenau. Eine Nacht muss sie dort verbringen in der sicheren Gewissheit, am nächsten Morgen ermordet zu werden. Beim Verladen der Frauen auf die LKW herrscht Panik. Unter schreienden und wehklagenden Frauen ruft ein SS-Mann ihre auf dem Arm eintätowierte Nummer auf – die Rettung. Erna de Vries entkommt dem unmenschlichen Schicksal, da Halbjüdinnen als Arbeiterin im Konzentrationslager Ravensbrück benötigt werden. „Wenn er zehn Minuten später gekommen wäre, wäre ich ins Gas gekommen“, schildere de Vries. Vor dem Abtransport nach Ravensbrück kann sie sich noch von ihrer Mutter verabschieden. „Wir gingen über die Lagerstraße mit dem Wissen, dass wir uns nie wiedersehen.“ Trotz der Todesahnung sei die Mutter aber auch zuversichtlich gewesen. Alles andere als Auschwitz könne nur besser sein, habe sie gesagt und ihr Mut zugesprochen. „Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat.“ Und diesen Auftrag hat Erna de Vries wieder einmal mehr im Messinger Feuerwehrhaus eindrucksvoll erfüllt. „Ich hoffe, dass etwas hängen bleibt, wenn wir nicht mehr da sind“, sagt Erna de Vries zu den jungen Leuten – und dass sie sich über jeden Tag freut, an dem sie noch einmal die Sonne sehen kann.

Die Überlebensgeschichte dieser mutigen Frau wurde für alle Zuhörer ein Stück weit fassbar, ebenso wie die sprachlos machenden Verbrechen der Nationalsozialisten. Ihre lebendige und aufrichtige Art der Schilderung ihres Lebens in der Verfolgung und ihre Offenheit in der anschließenden Fragerunde ließ das Ziel des Zeitzeugenabends ein gutes Stück weit näher rücken: nicht zu vergessen, was passiert ist, sich der daraus erwachsenden historischen Verantwortung im ‚hier und heute‘ zu stellen und so aus der Geschichte für die Gegenwart zu lernen.

Dass de Vries dies mit ihren 93 Jahren bei den Zuhörern erreicht hat, spiegelte sich nicht nur in dem großen Applaus, sondern auch in den umfangreichen Spenden für das Projekt ‚Bäume für Israel‘ wider, wofür de Vries als Zeichen der Solidarität für Israel warb.

 

Ursula Kottebernds vom Heimatverein und der stellvertretende Jugendfeuerwehrwart Simon Dreishing überreichten abschließend kleine Dankespräsente. Bürgermeister Ansgar Mey dankte de Vries für ihr großartiges Engagement und den beiden Messinger Vereinen für die aktive Initiative gegen das Vergessen.

(Klaus Smit)

(Fotos: Smit, Forstreuter)