Buchvorstellung und Themennachmittag

Messinger erinnern an erste deutsche Professorin

(LT , am 23.08.2014, Carsten van Bevern)

Die erste deutsche Professorin im Bereich der Geisteswissenschaften stammte aus Messingen: Das jüngst erschienene Buch „Mathilde Vaerting und ihre Familie“ erinnert an sie. Mehr über sie erfahren kann man zudem bei einem Themennachmittag des Heimatvereins Messingen am Samstag, 6. September.

Mathilde Vaerting ist am 10. Januar 1884 als fünftes von zehn Kindern in Messingen geboren worden. 39 Jahre später, am 1. Oktober 1923, ist sie vom Thüringischen Volksbildungsministerium zur Professorin für Erziehungswissenschaften an die Universität Jena berufen worden – als deutschlandweit erste Professorin im Bereich der Geisteswissenschaften.

1900 wurden erstmals in Deutschland an der Universität Freiburg Frauen offiziell zum Studium zugelassen. Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis die Hochschulen im Kaiserreich ihre Pforten für Frauen öffneten.

Vaerting studierte von 1907 bis 1911 in Bonn, München, Marburg und Gießen Mathematik, Physik, Chemie und Philosophie. Zuvor hatte sie die Volksschule besucht, Privatunterricht im elterlichen Haus erhalten und in Köln drei Jahre lang eine höhere Mädchenschule besucht. 1903 legte sie in Münster ihr Lehrerinnenexamen ab und arbeitete in Düsseldorf als Lehrerin.

Professorin in Jena

Parallel bereitete sie sich auf ihre allgemeine Reifeprüfung vor, die sie 1907 ablegte. Nach dem anschließenden Studium promovierte sie in Bonn zum Thema „Otto Willmanns und Benno Erdmanns Apperceptionsbegriff im Vergleich zu dem von Herbart“. Sie unterrichtete fortan als Oberlehrerin an einem Oberlyzeum und verfasste nebenbei wissenschaftliche Arbeiten wie „Die Vernichtung der Intelligenz durch Gedächtnisarbeit“ und „Neue Wege im mathematischen Unterricht.“

Gemeinsam mit der Hohenheimer Botanikprofessorin Margarete von Wrangel erhielt sie im Jahr 1923 schließlich den Ruf als Professorin an die Universität in Jena. Im Zuge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlor die laut der Jenaer Universitätsgeschichte als eine der „als Sozialisten bekannten Professoren“ ihre Stellung, lebte in Berlin, nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Göttingen und seit Ende der 1950er-Jahre unter anderem als Herausgeberin der „Zeitschrift für Staatssoziologie“ in Schönau im Schwarzwald.

Im Jahr 1977 ist sie dort im Alter von 93 Jahren gestorben, aber nahe ihrem Geburtsort, auf dem neuen Friedhof in Lingen, beigesetzt worden. Eine Gedenktafel in Jena und eine Straße in Lingen erinnern heute an die deutschlandweit erste Professorin für Erziehungswissenschaften.

Auf 104 Seiten haben Maria und der 2013 verstorbene Franz Kottebernds sowie Hans-Gerd Jöhring die Lebensgeschichte von Mathilde Vaerting erforscht und niedergeschrieben (ISBN 978-3-00-045684-8). Zu einem Themennachmittag zu Mathilde Vaerting lädt der Heimatverein Messingen am Samstag, 6. September, ab 16 Uhr auf den Hof ihres Geburtshauses in der Frerener Straße 11 in Messingen ein.

Hans-Gerd Jöhring wird als einer der Autoren das Buch und Vaertings Leben kurz vorstellen. Über die Lehrerinnen Ida Schartmann aus Beesten und Anna Bolte aus Listrup wird Ursula Feldmann von der Emsbürener Geschichtswerkstatt und über „Frauen in Gesellschaft und Politik im Wandel der Zeit“ wird die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Freren Mechthild Kümling informieren. Ausklingen soll der Tag mit Musik und einem Imbiss.

Organisieren den Themennachmittag zu Mathilde Vaerting: (von links) Ludwig Krane, Petra Theilen-Wöhle, Maria und Ursula Kottebernds sowie die Bewohner des Vaerting’schen Geburtshauses, Bernhard und Karin Rohe mit Thees, Maarten und Lina. Foto: Carsten van Bevern

(Organisieren den Themennachmittag zu Mathilde Vaerting: (von links) Ludwig Krane, Petra Theilen-Wöhle, Maria und Ursula Kottebernds sowie die Bewohner des Vaerting’schen Geburtshauses, Bernhard und Karin Rohe mit Thees, Maarten und Lina. Foto: Carsten van Bevern)

 

Dieses Foto zeigt Mathilde Vaerting als Professorin. Foto: Universitätsarchiv Bielefeld(Dieses Foto zeigt Mathilde Vaerting als Professorin. Foto: Universitätsarchiv Bielefeld)

 

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